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Berichterstattungsleitlinien und Zeitschriften: Fakten und Fiktion

Wir haben mit Herausgebern und Verlegern darüber gesprochen, warum sie bisher keine Berichterstattungsleitlinien implementiert haben. Unten sind einige gängige Gründe aufgeführt, warum vielleicht auch Sie selbst zögern, die Herausforderung einer guten Berichterstattung (GoodReports) anzugehen. Lesen Sie dazu auch Evidenz über die positiven Auswirkungen, wenn Berichterstattungsleitlinien angewendet werden sowie über die Auswirkungen, die es hat, wenn sie nicht angewendet werden. Außerdem können Sie sich über die Tools informieren, die wir für Sie bereitgestellt haben, die Ihnen dabei helfen sollen, die Hindernisse, die Ihnen begegnen könnten, zu überwinden. Dieser Kurzartikel aus Science Editor erläutert ebenfalls, wie Berichterstattungsleitlinien die Arbeit von Zeitschriften-Editoren unterstützen können.

Was sollen Berichterstattungsleitlinien erreichen?

Berichterstattungsleitlinien gibt es, um uns das Leben zu erleichtern – den Autoren, Lesern, Peer-Reviewern, Zeitschriften und systematischen Reviewern.

Eine beachtliche Evidenzlage hat gezeigt, dass eine überwältigende Anzahl an gesundheitsbezogenen Forschungsartikeln, die jedes Jahr veröffentlicht werden, nicht gebrauchstauglich ist. Sie beinhalten nicht genügend Informationen über die Studie, um es dem Leser zu ermöglichen, diese angemessen zu verstehen und zu bewerten, oder um es den Wissenschaftlern zu ermöglichen, die Studie zu replizieren, oder um es Autoren von systematischen Reviews zu ermöglichen, sie in ein Review einzuschließen. Demzufolge kann die Arbeit nicht zur klinischen Gesamtevidenz hinzugefügt werden, welche einer klinischen Entscheidungsfindung zugrunde liegt, und ist somit verschwendet.

Unser derzeitiges System der Veröffentlichungen und der wissenschaftlichen Anerkennung ist eindeutig unzureichend, um diesem Problem entgegenzuwirken.

Berichterstattungsleitlinien sind ein wichtiger Schritt zur Behebung der Defizite in unserer wissenschaftlichen Literatur. Gruppen aus Klinikern, Wissenschaftlern, systematischen Reviewern und Statistikern haben sich zusammengeschlossen, um ein Minimum an Informationen festzulegen, welche jede Gruppe benötigt, um eine bestimmte Studienart nutzen zu können. Berichterstattungsleitlinien existieren mittlerweile für die meisten allgemeinen Studientypen. Außerdem wurden spezifische Leitlinien für ganz bestimmte Endpunkte und Methoden entwickelt, die regelmäßig schlecht berichtet werden.

Wenn Autoren beim Schreiben ihrer Arbeit Berichterstattungsleitlinien verwenden, dann kann das entstehende Manuskript verstanden, repliziert und in der klinischen Entscheidungsfindung verwendet werden.

Sind Berichterstattungsleitlinien nicht einfach nur eine weitere „Abhak-Übung“?

Berichterstattungsleitlinien sollten bereits während des Schreibens eines Artikels genutzt werden und nicht als Checkliste bei Einreichung des Artikels. Eventuell werden die Leitlinien nur unzureichend eingehalten, wenn ein Autor zum ersten Mal nach deren Einführung einen Artikel einreicht. Dieses Toolkit umfasst eine Briefvorlage an den Autor, mit der Aufforderung zur erneuten Einreichung nach Anpassung des Artikels an die Anforderungen der Berichterstattungsleitlinie. Der Brief beinhaltet außerdem eine Erklärung, warum Berichterstattungsleitlinien so wichtig sind sowie einen Verweis zum EQUATOR-Netzwerk. Wenn Autoren mit den Berichterstattungsleitlinien vertrauter werden, werden sie die Verwendung dieser in ihren Schreibprozess integrieren und, so hoffen wir, diese bereits in der Planungsphase der Forschung anwenden, um sicher zu gehen, dass jeder Punkt, der von der Leitlinie gefordert wird, berücksichtigt wurde.

Einige Autoren verlangen von anderen Autoren, dass sie eine Checkliste miteinreichen, auf der vermerkt ist, auf welcher Seite die jeweilige Leitlinieninformation behandelt wird. Dies ist nicht einfach eine bürokratische Hürde, sondern hilft den Autoren, sozusagen als „Vollständigkeitsprüfung“, jeden notwendigen Punkt zu berichten.

Fördern Berichterstattungsleitlinien tatsächlich Transparenz, Nutzbarkeit und Replizierbarkeit?

Ja! Wir haben eine signifikante Steigerung der Qualität der Berichterstattung beobachtet, wenn eine Zeitschrift Berichterstattungsleitlinien empfiehlt.

Peer- und redaktionelles Reviewing können die genannten Probleme abfangen; dazu brauchen wir keine Berichterstattungsleitlinien

Wir wissen, dass existierendes Peer- und redaktionelles Reviewing nicht ausreichen, um vollständige Berichterstattung zu gewährleisten. Jedes überprüfte klinische Fachgebiet und jeder überprüfte Studientyp leidet unter schlechter Berichterstattung.

Fakt ist, dass Berichterstattungsleitlinien sehr hilfreich für Peer-Reviewer sind! Sie helfen Reviewern bei der systematischen Überprüfung, ob alle wesentlichen Informationen berichtet wurden.

Wir haben niemanden, der mit Berichterstattungsleitlinien umgehen kann

In diesem Toolkit befindet sich eine Auswahl an Instrumenten, um die Implementierung von Leitlinien so einfach wie möglich zu machen. Es gibt einen Arbeitsablauf, um Leitlinien einfach nur „zu empfehlen“. Dieser benötigt nur eine Änderung in Ihren „Hinweisen für Autoren“, außerdem Links für Autoren, um, falls gewünscht, zu den Berichterstattungsleitlinien zu gelangen.

Einige Zeitschriften, die sich dafür entschieden haben, Checklisten als ‚Forderung‘ zu implementieren, haben ihr redaktionelles Administrativteam darin geschult, die Einhaltung der Leitlinien bei Einreichung des Artikels, als Teil der Einreichungssichtung, zu überprüfen. Falls Sie entscheiden, Leitlinien auf diesem Weg zu implementieren, können Sie dazu hier eine Schulung finden.

Einige Zeitschriften, die sich dafür entschieden haben, Checklisten als ‚Forderung‘ zu implementieren, fragen zuerst einen ersten Peer-Reviewer, die Einhaltung der Leitlinie zu überprüfen, bevor sie einen zweiten und dritten Reviewer einbeziehen. Falls ein Manuskript nicht besteht, stoppt der Reviewer den Prozess und der Artikel wird zurückgeschickt. Das Toolkit umfasst eine Briefvorlage an den Autor, mit der Aufforderung zur erneuten Einreichung nach Anpassung des Artikels an die Anforderungen der Berichterstattungsleitlinie. Der Brief beinhaltet außerdem eine Erklärung, warum Berichterstattungsleitlinien so wichtig sind sowie einen Verweis zum EQUATOR-Netzwerk. Das Toolkit enthält außerdem eine Anleitungsvorlage für Peer-Reviewer und editierbare Versionen der gängigen Checklisten mit zusätzlichen Erklärungen zur Anwendung für Reviewer.

Autoren wählen unsere Zeitschrift nicht mehr aus, wenn sie sich mit Berichterstattungsleitlinien befassen müssen

Zeitschriften, die Berichterstattungsleitlinien entweder empfehlen oder verpflichtend fordern, haben keine wesentlichen Veränderungen in ihren Einreichungsquoten festgestellt. Es gibt einen Arbeitsablauf für einfaches “empfehlen“, der keine Anforderungen an Autoren stellt und mit dem Sie sich für den Anfang vielleicht wohler fühlen.

Einige medizinische Fachgebiete haben eine kritische Menge an Zeitschriften erreicht, die Berichterstattungsleitlinien einführen

Die Implementierung von Berichterstattungsleitlinien wird die Publikation verzögern

Die Implementierung von Berichterstattungsleitlinien beschleunigt die Veröffentlichung von gut berichteten Artikeln, ebenso wie die Ablehnung von schlecht berichteten Artikeln:


Die Nutzung von Berichterstattungsleitlinien durch Peer-Reviewer wird den Review-Prozess verzögern

Artikel, die anhand einer Berichterstattungsleitlinie geschrieben wurden, sind schemenhaft; es gibt keinen Raum für Kreativität.

Berichterstattungsleitlinien geben ein Minimum an Informationen vor, die in einem Artikel angegeben sein müssen, damit dieser transparent, reproduzierbar und nutzbar ist. Leitlinien schreiben nicht vor, welche Sprache Autoren verwenden sollten, um die Informationen zu berichten. Leitlinien machen auch keine Vorgaben zu Einleitung, Diskussion und Interpretation des Artikels. Im Wesentlichen machen Leitlinien Vorgaben zum Berichten der Methoden und Ergebnisse, denn, wenn hier wichtige Informationen fehlen, dann ist der Artikel unbrauchbar. Ein kreativ geschriebener wissenschaftlicher Artikel, der nicht verstanden, nicht in systematische Reviews eingeschlossen oder in die klinische Praxis integriert werden kann, ist kein wissenschaftlicher Artikel sondern Science-Fiction.

Meine Zeitschrift kann es sich nicht leisten, Berichterstattungsleitlinien einzuführen

Dieses Toolkit enthält eine Auswahl an Instrumenten, um die Implementierung von Leitlinien so einfach wie möglich zu gestalten. Wir haben einen Arbeitsablauf für einen einfachen Weg, um Berichterstattungsleitlinien zu empfehlen. Dieser benötigt nur eine Änderung Ihrer „Hinweise für Autoren“ sowie Links, die zu den Berichterstattungsleitlinien führen, falls die Autoren das wollen.

Gute Berichterstattung liegt nicht in der Verantwortung der Zeitschrift

Gute Berichterstattung liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen.

Die Umsetzung von Leitlinien ist für Autoren zu belastend

Berichterstattungsleitlinien bieten Autoren klare Vorlagen beim Schreiben ihres Manuskripts. Sie müssen nicht viel Zeit damit zubringen, sich Gedanken darüber zu machen, ob sie ein wesentliches Detail vergessen haben und wie sie ihre Methodik am besten berichten können.

Wenn Autoren nicht jeden Punkt in der Checkliste berücksichtigt haben, dauert das Schreiben ihres Manuskripts möglicherweise tatsächlich länger. Diese mangelnde Berücksichtigung weist jedoch auf potenzielle Mängel in der Methodik hin; es ist besser, diese werden bereits während des Schreibens aufgedeckt und korrigiert, als dass sie ins Peer-Review gelangen und überlasteten Reviewern die Zeit rauben.

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*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung geschlechtsspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.